René J. Laglstorfer
Austrian Servant Abroad of the year 2008Poems
Die Beiden
Von Hugo von Hofmannsthal, 1896
Sie trug den Becher in der Hand -
Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand -,
So leicht und sicher war ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.
So leicht und fest war seine Hand:
Er ritt auf einem jungen Pferde,
Und mit nachlässiger Gebärde
Erzwang er, daß es zitternd stand.
Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
Den leichten Becher nehmen sollte,
So war es beiden allzu schwer:
Denn beide bebten sie so sehr,
Daß keine Hand die andre fand
Und dunkler Wein am Boden rollte.
Der Schaden eines Sterns
Von Calisto von Gastein, Sommer 1903
Wem Blindheit gehört
Gedankenlosigkeit sein eigen nennt
All das für einen kleinen Augenblick
Im Leben in sich vereint
Der braucht sich nicht lange sorgen
Denn das Unglück erscheint
Rotzig, gewandt und rasch
Ohne vorher zu fragen
Kommt’s, um sich zu borgen
Des Menschen Götzen:
Mammons Asch’
Ja, ja! Werden manche nun vielleicht nörgeln
Welch nichtiges Leid sich über ihn ergießt
Kennt er denn nicht echte, wirkliche Sorgen?
Außer denen des Materialismus. Sieh’s!
Fürwahr, jeder finanzielle Schmerz
Ist doch nur gleich einer vergänglichen Kerz’
Abgebrannt und erst einmal verloschen
Auch ein Stern nicht mehr quält
Der zuvor zerbrochen
Ihr Bett
Von Calisto von Gastein, Juni 1905
Ihr Bett
War ziemlich groß,
Ein Singlebett
Meine ich zu glauben,
Und ungemein
Gemütlich und weich,
Kein Vergleich
Zu meinem
Betrügen
Von Calisto von Gastein, März 1906
Jeder ist vergeben
Und genießt doch
Sein Leben
Für zwei Heller
Von Calisto von Gastein, Oktober 1906
Für zwei Heller
Biß der Klassenkamerade
Meiner Mutter
Einer lebendigen Maus
Den Kopf
Ab
Ich frage mich
Was dieser Mann
Heute macht
Ein junger Schwarzafrikaner
Von Calisto von Gastein, Jänner 1907
Ein junger Schwarzafrikaner
Steht draußen vor unserer Tür
Er sei Student und bittet um etwas Geld
Mutter, die sonst das Spenden sein läßt –
Außer den wöchentlichen 10 Hellern in der Kirche
Gibt ihm einen 5 Kronen-Schein
Überrascht von ihrer plötzlichen Generosität
Frage ich sie nach dem Grund
Voller Rührung, den Tränen nahe antwortet sie:
Vielleicht mußt du in Amerika auch mal
Von Tür zu Tür gehen –
Da will ich, daß dir genauso viel
Großzügigkeit widerfährt wie ihm…
In diesem Moment fühle ich
Ihre ganze Sorge und Angst um mich
Vom Sohn sein
Von Calisto von Gastein, Jänner 1907
Väterlicher Stolz
Ist etwas Schönes, macht Freude
Erbaut sich in wackeren Erzählungen
Tollen Ausschmückungen
Und so manchen Tatsachenverdrehungen
Ich höre meinem Vater gern zu
Wie er am Telefon über mich spricht,
Von meinen Reisen, meinem Studium
Meinen Plänen und meiner Arbeit erzählt
Manchmal sogar von meinen Mädchen
Und dabei seine ganz eigenen Geschichten
kreiert
Doch wenn väterlicher Stolz
Nur mit Dritten geteilt wird,
Die ihn aus Neid nicht erwidern
Und hurtig das Thema wechseln
Dann verwandelt sich Stolz
Schnell in Prahlerei
Schade, daß ich nur zufällig davon erfahre
Wie stolz mein Vater
eigentlich wirklich auf mich ist
2 Comments »
Ich bin sehr beeindruckt – nun habe ich die Gedichte noch einmal mit ganz anderen Augen gelesen (hättest du nichts gesagt, dann wäre es mir wohl nie aufgefallen). Und ich wunderte mich schon über den Namen des Autors! Naivität?!
Ja – poetisches Talent in seiner reinsten Form…
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interessant (selbst der name des autors calisto). gefällt mir der gedanke vom schwarzafrikaner. der schaden eines sterns habe ich nicht ganz verstanden.
aber super, gratuliere. sind wir beide fleißig am schreiben, freu mich auf neue gedichte.
gruss