
Verehrter Herr Landeshauptmann,
meine hochverehrten Damen und Herren,
Sie können sich sicher vorstellen, wie dankbar und glücklich ich in diesem Moment bin.
Möglicherweise ist bei Ihnen die Frage aufgetaucht, aus welchen Beweggründen sich ein junger Mensch dazu entschließt, statt Zivildienst oder Bundesheer Auslandsdienst in Form eines Gedenkdienstes zu leisten.
In meinem Fall war die Motivation, dass ich zum einen meinen Präsenzdienst so sinnvoll und lehrreich wie möglich gestalten wollte und zum anderen mit meiner Arbeit versucht habe, ein Zeichen zu setzen und meine Mitmenschen aufmerksam zu machen.
Seit ich zurückdenken kann, haben mich die eigene Geschichte sowie fremde Kulturen ganz besonders fasziniert. Der Auslandsdienst hat mir und vielen anderen jungen Österreichern die Möglichkeit geboten, diese beiden Interessensschwerpunkte bestmöglich zu kombinieren.
Vielleicht fragen Sie sich auch nach dem Hintergrund, warum ich das winzige Dorf Oradour-sur-Glane im Herzen Frankreichs und die chinesische Megametropole Shanghai mit seinen 18 Millionen Einwohnern für meinen Gedenkdienst ausgewählt habe.
Ein größerer Kontrast als diese beiden Einsatzstellen ist nicht vorstellbar, auch thematisch: Auf dem einen Ende Eurasiens Oradour, wo 1944 fast die gesamte Dorfbevölkerung einem SS-Massaker zum Opfer fiel. Auf dem anderen Ende Shanghai, das während des 2. Weltkriegs rund 20.000 jüdische Flüchtlinge aufnahm und sie damit vor der sicheren Ermordung in Europa rettete.
Sicher fragen Sie sich nun, inwieweit Österreich in direktem Zusammenhang mit Oradour und Shanghai steht: Oradour ist Symbol für die Massenmorde der SS in Europa, wo Millionen unschuldiger Zivilisten vor allem in Osteuropa ihr Leben verloren. Dass Österreicher überproportional in der Mordstaffel SS vertreten waren, bleibt bei uns noch immer allzu gerne unerwähnt.
Shanghai wiederum ist mit der Rettung von rund 5.000 Österreichern jüdischen Glaubens untrennbar zu einem Teil österreichischer Geschichte geworden.
Der Zivilersatzdienst an ausländischen Gedenkstätten ist zweifelsohne ein Bekenntnis zur österreichischen Mitverantwortung an den Verbrechen des Nationalsozialismus. Uns geht es mit unserer Arbeit aber nicht um Schuldzuweisungen oder Ermahnungen. Wir wollen zeigen, dass junge Österreicher sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen, sie nicht ausblenden, sondern aus ihr lernen.
Verantwortung ist das maßgebliche Schlüsselwort, das unsere Generation und unser Handeln leitet. Gerade im Ausland ist es nach dem blutigsten Jahrhundert der Menschheit erforderlich, dass junge Österreicher sich aktiv für Völkerverständigung, Versöhnung und Frieden in der Welt einsetzen.
Der Österreichische Auslandsdienst tut dies auf allen 5 Kontinenten in mehr als 30 Ländern in den Bereichen Gedenk-, Sozial- und Friedensdienst. Diese Arbeit mehrt das Ansehen der Republik Österreich, weshalb die Förderung aller österrerichischen Auslandsdiener im öffentlichen Interesse liegen sollte, was bisher leider nicht der Fall ist – ganz im Gegensatz zum herkömmlichen Zivildienst und Bundesheer, wo jeder Zivildiener und Rekrut finanziell unterstützt wird.
Weit über 1.000 junge Österreicher haben seit der Gründung durch Dr. Andreas Maislinger im Jahr 1992 Auslandsdienst geleistet und ich kann Ihnen aus persönlicher Erfahrung versichern, dass jeder einzelne dieser jungen Menschen eine ganz besonders beeindruckende Persönlichkeit ist.
So zum Beispiel meine beiden Auslandsdienst-Kollegen in China, Dominik Holter und Thomas Plesser, die beide fließend Chinesisch beherrschen – oder etwa Valentin Hofer, über dessen Gedenkdienst in Los Angeles sogar die renommierte New York Times berichtet hat. Es gäbe eine Vielzahl weiterer Kandidaten, die sich aufgrund ihrer hervorragenden Arbeit ebenso diese Auszeichnung verdient hätten.
Umso mehr möchte ich mich beim Vorstand des Österreichischen Auslandsdienstes, allen voran beim Vorsitzenden Dr. Maislinger, für das mir entgegengebrachte Vertrauen und natürlich die besondere Wertschätzung bedanken, die Sie mir durch diese außergewöhnliche Auszeichnung widerfahren haben lassen!
Ohne die hervorragende Arbeit und den grenzenlosen Idealismus von Dr. Maislinger wäre Auslandsdienst in Österreich überhaupt nicht möglich.
Ein besonderer Dank gilt Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer. Schon in der Schule wurden wir angespornt mit den Worten, „wer einen ausgezeichneten Erfolg bei der Matura schafft, wird vom Landeshauptmann empfangen“. Dass ich innerhalb von 5 Jahren zwei Mal ins Linzer Landhaus eingeladen werde, hätte ich nicht einmal zu träumen gewagt, denn für einen jungen Oberösterreicher gibt es keine größere Ehre, als vom Landeshauptmann in solch einem feierlichen Rahmen ausgezeichnet zu werden. Herzlichen Dank, Herr Landeshauptmann, für Ihre wunderbare Gastfreundschaft!
Weiters danke ich herzlich meiner Vorgesetzten im Centre de la Mèmoire d’Oradour, Michèle Faure. Sie hat mich während meiner neun Monate in Oradour immer tatkräftig bei allen Ideen und Projekten unterstützt und ist extra für diesen Empfang aus Frankreich angereist! Liebe Michèle, vielen Dank für deine großartige Hilfe in Oradour!
Last, but not least möchte ich allen Menschen danke sagen, die mich auf meinem Lebensweg unterstützt und geprägt haben: meinen Lehrern, Professoren, Kollegen, Freunden, meiner Familie und ganz besonders natürlich meinen Eltern!
Zu guter letzt möchte ich mich bei Ihnen allen für Ihr freundliches Kommen und Ihre geschätzte Aufmerksamkeit bedanken und mit einem Zitat von Gotthold Ephraim Lessing schließen:
« Erinnern heißt nicht, das Gedächtnis zu belasten, sondern, den Verstand zu erleuchten. Denn wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, der wird blind für die Gegenwart. »